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Selbstbestimmt leben – Teil 3 – Ich bin ich

Selbstbestimmt leben, Teil 3 – Ich bin ich!

Herzlich Willkommen beim dritten und letzten Teil der Serie „Selbstbestimmt leben“.

In den letzten zwei Blog-Artikeln konntest Du zurück denken in die Zeit, als der Kinderwunsch lediglich ein Wunsch war und noch kein Problem. Wie hast Du den Menschen für´s Leben gefunden, mit dem der Kinderwunsch Gestalt annahm? Wann habt Ihr Euch verliebt? Was habt Ihr gemeinsam erlebt und wie seht Ihr heute auf diese Zeit zurück?

Als dann klar wurde, dass es nicht so einfach wird mit dem Kind, nahm die Reise für viele an Fahrt auf. Wann habt Ihr von diesem Fakt erfahren? Wie geht jeder Einzelne damit um? Wie könnt Ihr Euch gegenseitig unterstützen? Will das manchmal vielleicht einfach nicht so recht klappen? Könnt Ihr ehrlich miteinander sprechen und wisst Ihr um die Gedanken des anderen?

Oh man, worauf will sie denn jetzt hinaus?

Richtig, ich habe einen Plan. Bislang haben wir uns mit der Pflicht beschäftigt, jetzt kommt die Kür. Heute schauen wir uns nämlich mal genauer an, woher Deine Antworten auf all meine bisherigen Fragen eigentlich kommen. Wer bist Du? Woher kommst Du? Wie und von wem wurdest Du geprägt? Was sind Deine Werte? Welche (gelernten?) Sätze ploppen in den unterschiedlichen Situationen in Deinem Kopf auf? Motivieren oder hemmen sie Dich? Wann passiert das? Ich könnte noch ewig so weiter machen. Doch vorher treten wir mal einen großen Schritt zurück…

Jede(r) von uns hat eine Herkunftsfamilie. Das ist die Familie, in die wir hineingeboren wurden. Vater, Mutter, Geschwister. Eine Ebene drüber stehen noch die Großeltern, an den linken und rechten Flügeln Tanten, Onkeln, Cousins und Cousinen. Manche Familien sind klein und überschaubar, andere müssen große Nebenräume im Restaurant anmieten, um Omas 80sten Geburtstag zu feiern, weil sonst kein Platz ist. Ob nun groß oder klein, nichts ist besser oder schlechter, sondern einfach nur anders.

Wie ist Deine Herkunftsfamilie?

Hast Du noch beide Elternteile und wenn ja, sind sie nach wie vor zusammen?

Wenn nein, hast Du Stiefeltern?

Gibt es Geschwister und als wievieltes Kind bist Du geboren?

Hast Du auch Halb- oder Stiefgeschwister?

Haben sich Deine Eltern leicht getan, schwanger zu werden und Kinder zu bekommen?

Welche Rolle wurde Dir zugeschrieben? Bist Du das brave/trotzige/schwierige/… Kind?

Hat sich Deine Rolle mittlerweile geändert? Wenn ja, wie kam es dazu?

Wie würdest Du selbst Deine Kindheit beschreiben in ein paar Sätzen?

Wie wird in Deiner Familie über Sexualität gesprochen?

Wie wird gestritten?

Wie mit Konflikten im Allgemeinen umgegangen?

Was ist Familie für Dich heute?

Wenn Du sagst „meine Familie“, wen meinst Du heute damit?

Was bedeutet Familie für Dich?

Wie hast Du Dir als Kind Deine Familie im Erwachsenenalter vorgestellt?

Gibt es bzgl. eigener Familienplanung Erwartungen aus der Herkunftsfamilie an Dich?

Wenn ja, wer äußert sie und was genau wird erwartet?

Was machen diese Erwartungen mit Dir?

Weißt Du, was Glaubenssätze sind?

„Echte Jungs weinen nicht.“ „Lass erst mal die anderen ran, dann kannst Du.“ „Nimm Dich selbst mal nicht so wichtig.“ „Das kannst Du eh nicht.“ „Ein echter Mann muss stark sein.“ „Frauen sind freundlich und hilfsbereit.“

Es gibt unendlich viele Sätze, die wir im Laufe unseres Lebens gehört haben und ein paar davon haben wir mit der Zeit dermaßen verinnerlicht, dass sie sich ihren festen Platz im Hinterkopf gesichert haben und sich zu den teils unmöglichsten Zeiten ohne Vorankündigung zu Wort melden. Kennst Du das auch? Welche Sätze schießen Dir immer wieder in den Sinn und machen Dir vielleicht das Leben schwer? Welche Auswirkungen haben sie (in bestimmten Situationen?) auf Dein Handeln? Welche Stimme sagt diesen Satz? Ist sie Dir bekannt?

Glaubst Du diesen Sätzen?

Wenn ein Mann als Junge nie weinen durfte, sondern immer gleich gehört hat „Jetzt reiß Dich zusammen und sei nicht so eine Memme!“, wie wird er dann wohl reagieren, wenn seine Frau ihm nach dem Arztbesuch weinend von einer Fehlgeburt berichtet?

Wenn eine Frau gelernt hat, immer „nett und freundlich“ zu sein, wie geht sie damit um, wenn der energische Arzt in der Kinderwunschklinik ihr Behandlungspläne vorlegt, bei denen es ihr die Nackenhaare aufstellt und sie innerlich schreit „Nein! Das will ich gar nicht!“?

Und das heute so oft propagierte „Du schaffst alles, wenn Du nur willst“, kann meiner Meinung nach ein echter Killer sein. Ein Freund von mir wollte wirklich gerne Pilot werden, doch dazu waren seine Augen nicht gut genug. Keine Chance, egal, wie sehr er es wollte.

Und ein Paar hat es einfach nicht komplett selbst in der Hand, ob es Kinder bekommen wird oder nicht. Minimale körperliche Abweichungen von nur einem Beteiligten können jeden noch so schönen Plan zunichte machen und manchmal kann nicht herausgefunden werden, woran genau es liegt. Selbst dann, wenn das Paar es doch so sehr wollte.

Schaffe Dir Deine eigenen Sätze und sei wohlwollend mit Dir und dem Leben.

Heute wird ja sehr oft gefordert, dass man sich selbst lieben soll. Den Körper genauso wie das eigene Selbst an sich. Das ist ja alles wirklich wunderbar, ich denke aber, für die meisten Tage genügt es, sich selbst einfach „nur“ so eine Art „beste Freundin“ zu sein. An einer besten Freundin muss ich nicht alles bedingungslos lieben, aber ich habe sie im Großen und Ganzen von Herzen gern. Manche ihrer Eigenheiten finde ich nervig, aber ich bin im Stande, sie zu tolerieren. Manchmal sind wir uns absolut nicht einig und am nächsten Tag ist alles vergessen. Ich kann mich mit ihr freuen und mit ihr feiern, ich kann sie aber auch trösten und mit ihr weinen, während ich ihr einen Tee mache. Und wenn wir uns mal langweilen, ist das auch egal. Wir können nämlich fantastisch wortlos nebeneinander auf der Couch sitzen und ein gutes Buch lesen.

Dieser Freundin würde ich sagen „Ich mag Dich“, „Ich finde es toll, wie mutig Du sein kannst“, „Sag, was Du möchtest, sonst hört es doch keiner“ oder auch einfach „Du schaffst das schon. Ich helfe Dir“. Das wären doch mal schöne Glaubenssätze, oder?!

Was bräuchtest du ganz dringend von Deiner besten Freundin?

Bist Du Dir schon eine gute Freundin oder brauchst Du da noch ein bisschen mehr Übung? Weißt Du, wie Du Dich selbst motivieren oder trösten kannst? Kannst Du einschätzen, bis wohin Du es gut alleine schaffst und ab welchem Punkt Du Dir Unterstützung suchen musst? Kannst Du Hilfe annehmen oder ist das schwierig für Dich?

Eine gute Freundin lässt Dich sein, wie Du bist. Sie lässt Dich selbst bestimmen, was Du gut und schlecht findest und auf welche Art Du Dein Leben leben willst. Und Ihr wachst an jeder Erfahrung, die Ihr miteinander macht. Im Guten wie im Schlechten.

Was willst Du später mal über Dich und Dein Leben erzählen?

Nach meinem Abitur habe ich ein Freiwilliges Soziales Jahr auf der Pflegestation eines Altenheims gemacht. Die Leute dort waren sehr krank und konnten sich nicht mehr selbständig versorgen. Als FSJlerin hatte ich das große Glück, nicht die komplette Schicht in der Pflege sein zu müssen, sondern mir auch Zeit für die einzelnen Menschen nehmen zu können. Ich habe sie in den Garten geschoben und wir haben uns in der Sonne unterhalten oder es uns in einem ruhigen, warmen Eck auf Station gemütlich gemacht. Und dabei habe ich sehr schnell – im zarten Alter von 19 Jahren – festgestellt:

Wer das Gefühl hatte, sein Leben weitestgehend selbstbestimmt gelebt zu haben, der war im Alter viel entspannter, humorvoller und irgendwie auch gebildeter (so kamen sie jedenfalls rüber). Einige der alten Herrschaften schauten wohlwollend auf ihr Leben zurück und hatten viele schöne Geschichten zu erzählen. Dabei sparten sie auch negative Erlebnisse nicht aus. Sie banden sie lediglich sehr unaufgeregt und stimmig in ihre Lebensgeschichte mit ein und nicht selten zogen sie das Fazit, dass auch diese traurigen Momente sie genau zu dem Menschen gemacht haben, der sie heute sind. Die Heimbewohner, die das nicht konnten, waren oft sehr traurig und beklagten viele verpasste Chancen in ihrem Leben. Es war ein Dilemma, für dessen Wiedergutmachung es zu spät war.

Und so sage ich Dir heute laut und deutlich (- das kann ich nämlich mittlerweile!):

Männer dürfen weinen, wenn sie traurig oder glücklich sind. Frauen dürfen auch mal laut ihre Wut aus sich heraus schreien oder einfach NEIN sagen, ohne sich im Anschluss sofort dafür rechtfertigen zu müssen.

Schlechte Dinge passieren uns allen und weißt Du was: Gute auch! Wenn wir in einer Situation stecken, die vielleicht nicht optimal ist, dann müssen wir das erkennen. Wir müssen wissen, wie wir damit umgehen können, woher wir Hilfe bekommen und wie wir uns aus dieser Lage selbst wieder befreien können. Ohne große Folgeschäden.

Gib gut auf Dich Acht. Setze Dich ruhig öfter mal an die erste Stelle und sei gnädig mit Dir und den anderen. Denn es hilft ja alles nichts, das Leben geht auch morgen wieder weiter und wir hoffen doch alle, dass es morgen noch (oder wieder) viel schöner wird als heute.

Selbstbestimmt leben – das ist unser Ziel.

Das ist nicht einfach, aber machbar. Zumindest im Rahmen der Messgenauigkeit.

So, jetzt wünsche ich Euch ein wunderbares Leben. Viel Erfolg und das nötige Quäntchen Glück bei all Euren Vorhaben und Wünschen. Und – falls es mal schwierig wird – den Mut, sich helfen zu lassen. Von guten Freunden, dem Partner/der Partnerin, völlig fremden Menschen oder auch von mir. Ich würde mich freuen und bin gerne für Dich und Euch da.

Alles Liebe,

Deine Stefanie

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