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Selbstbestimmt leben – Teil 1 – Hochzeiten

Selbstbestimmt leben – Teil 1 – Hochzeiten

Seit ein paar Wochen habe ich das Gefühl, es wird eigentlich überall nur geheiratet. Brautpaare strahlen mir entgegen und sobald ich eine Zeitschrift aufschlage: Zack, Hochzeit. Der „schönste Tag des Lebens“ war „magisch“ und alle sind froh, die „einzig wahre Liebe“ gefunden zu haben. Es regnet Rosenblätter vom Himmel, alle lachen, es ist perfekt…

Ab dem Tag nach dem „großen Tag“ schreibt jedes Ehepaar dann seine eigene Geschichte. Wie wird die wohl aussehen? Was hält das Leben für sie bereit? Gehen alle Wünsche in Erfüllung? Werden sie auf ewig die Richtigen füreinander sein? Genießen sie die guten Tage und kommen mit den schlechten Tagen klar? Fragen über Fragen.

Wie war Eure Hochzeit und welche Gefühle verbindet Ihr heute damit?

Es gibt ja ganz unterschiedliche Hochzeits- (und Lebens-) Typen. Das pragmatische Paar plant, realisiert und hakt getroffene Entscheidungen ab, um sich anderen Dingen zu widmen. Wenn etwas schief geht, wird improvisiert und kein großes Drama daraus gemacht.

Andere Paare verlieren sich in jedem Detail der Hochzeit. Die Kleidersuche geschieht im großen Stil mit 10 Freundinnen, die Tisch-Dekoration wird selbst entworfen und gefertigt, die Einladungskarten sind handgeschöpft und nichts wird dem Zufall überlassen. Gar nichts!

Wer hat Eure Hochzeit mit beeinflusst?

Ich war wirklich schon auf sehr vielen Hochzeiten. Viele davon waren wunderschön, das Brautpaar hatte seinen Spaß und hat sich von dem ganzen TamTam rundum nicht sonderlich beeindrucken lassen. Doch es gab auch etliche, die durchaus angespannte Momente hatten. Ein Mal waren sowohl die Braut, als auch der Bräutigam Scheidungskinder. Es gab vier völlig verkrachte leibliche Eltern und vier neue Partner(innen), die auch nicht miteinander auskamen. Zum Glück hat ein Saal in der Regel vier Ecken, doch wie Ihr Euch vorstellen könnt, wurde über der Sitzordnung so manche Träne vergossen.

Wenn ich mich zurück erinnere, gab es auf den Hochzeiten öfter Momente, in denen dem Brautpaar die Führung aus der Hand genommen wurde. Peinliche Reden. Eine allzu engagierte Brautjungfer. Aus dem Ruder laufende (Trink?)Spielchen. Gäste, die sich lieber in einer Ecke ein Fußballspiel anschauen, als dem Brautpaar ihre Aufmerksamkeit zu schenken. Ich bin mir sicher, das war so nicht geplant. Doch was machen die meisten Brautpaare? Tapfer lächeln, Contenance bewahren und die (Hochzeits-) Maske aufrecht halten.

Gibt es solche Momente in Eurem Leben auch heute noch?

Aus beruflicher und privater Erfahrung traue ich mich zu behaupten: Jede und Jeder hat Menschen im direkten Umfeld, die sich zu oft zu engagiert ins eigene Leben einmischen, nicht nur bei der Hochzeit. Jeder von uns geht nur sehr unterschiedlich mit den Einmischungen um und hat daher mehr oder weniger darunter zu leiden.

Ich persönlich bin ein Mensch, dem wichtig ist, was andere von ihm denken. Ich mag es, gemocht zu werden und gehe eigentlich auch selbstverständlich davon aus, dass die Leute rundum sich mir verbunden fühlen. Es macht mir Spaß, dafür zu sorgen, dass es allen in meinem Umfeld gut geht und ich kann auch gut mal einen Schritt zurück treten, um jemand anderen ins Licht treten zu lassen. Dass ich so bin, weiß ich sehr zu schätzen und doch musste ich natürlich im Laufe meines Lebens lernen, auch mich selbst an die erste Stelle zu setzen und klar meine Grenzen zu kommunizieren. (Das gefällt übrigens nicht jedem um mich herum!) Logisch, eine Therapieausbildung hilft beim Abgrenzen ganz gut. Auch ein sehr analytisch denkender Ehemann ist ein fantastischer Sparring-Partner. Und ganz ehrlich: Die Kinderwunschzeit hat ebenfalls einiges dazu beigetragen.

So viele Leute sagen so dumme Sachen, ohne es zu merken!

Wer sich ein Kind wünscht und nicht so einfach eines bekommt, der merkt erst mal, wie oft in unserer Gesellschaft Zuschreibungen zur Elternschaft gemacht werden. Sobald sich ein Mann und eine Frau gefunden und dann vielleicht auch noch geheiratet haben, läuft die Stoppuhr. Haus bauen, Kind bekommen, zwei Jahre später wieder schwanger werden, Mann macht Karriere, Frau kümmert sich um den Nachwuchs und arbeitet in Teilzeit mit, damit sie „auch mal raus kommt“.

Wir leben im 21. Jahrhundert, aber ich schaue mir seit ca. 15 Jahren die Welt um mich herum auch aus therapeutischer Sicht an und ziehe das ernüchternde Fazit: es hat sich nur sehr wenig geändert in den Köpfen.

Mit was wirst Du als Mann/Frau ohne Kind konfrontiert?

Wir waren mitten in unserer Kinderwunschzeit auf einer Hochzeit und der Vater des Bräutigams hielt eine Rede. Wir saßen am Tisch des Brautpaares, quasi zwischen den frisch Vermählten und dem Redner. Der Vater zählte auf, wie die verschiedenen Hochzeitstage heißen. „Grüne Hochzeit“ feiert man am eigentlichen Hochzeitsfest. „Papierene Hochzeit“ nennt man den ersten Hochzeitstag und „Ochsenhochzeit“ wird nach 5 Jahren gerufen, wenn das Paar noch keine Kinder zustande gebracht hat…. Der Bräutigam – ein sehr enger Freund von uns – wäre am liebsten gestorben vor Scham. Er konnte uns gar nicht in die Augen schauen und ich wette, hätte sich ein großes Loch aufgetan, er wäre ohne zu zögern hineingesprungen. Der Vater hingegen bekam absolut nichts mit und fuhr munter fort mit seiner Aufzählung…

Damals habe ich mir geschworen, a) noch besser auf meine eigene Wortwahl zu achten und b) nicht mehr darauf zu hören, was andere denken. Oder es zumindest zu versuchen.

Die Kinderwunsch-Zeit als Chance zu mehr Selbstbestimmung

Es ist ja nicht nur während der Kinderwunsch-Zeit so, dass wir Entscheidungen treffen müssen, die unser künftiges Leben mehr oder weniger stark beeinflussen werden. Sie fällt in der Regel einfach nur in eine sehr ereignisreiche und mitunter auch anstrengende Lebensspanne. Die Ausbildung ist beendet, das Elternhaus verlassen. Jetzt müssen wir „nur noch“ den richtigen Partner oder die richtige Partnerin für uns finden, die Karriere vorantreiben, uns finanziell absichern und uns einen Lebensplan erstellen, den wir dann Punkt für Punkt abarbeiten. Kann ja nicht so schwer sein!

Vom Ich zum Wir und andersrum

Wenn Du heute diesen Artikel liest, dann bist Du mit großer Wahrscheinlichkeit verheiratet, Du wünschst Dir ein Kind und hast kürzlich oder schon länger herausgefunden, dass es so einfach nicht werden wird mit dem Nachwuchs. Also kurz gesagt: das Leben kam Dir irgendwie dazwischen und die ganze schöne Planung beginnt zu wackeln. Ein Dilemma, ehrlich.

Mit diesem Problem bist Du nicht alleine. Dein Partner oder Deine Partnerin ist mit betroffen und es gibt unzählig viele andere Paare auf dieser Welt, denen es genauso geht. Das weißt Du, oder?

Ihr werdet die nächste Zeit viele Entscheidungen treffen müssen und Pläne schmieden. Einige davon werden sich realisieren, andere nicht. Und manchmal kommt es auch ganz anders als erwartet, was nicht immer negativ sein muss. So wie bei einer Hochzeit eben.

Ihr Zwei – ein starkes Paar

Ich bin mir sehr sicher, Ihr beide habt schon einiges auf die Beine gestellt und bislang zusammen daran gearbeitet, Euch ein schönes Leben zu gestalten. Ihr habt Euch irgendwo getroffen, irgendwann verliebt und zwei Leben zusammen gelegt. Vielleicht kennt Ihr Euch seit zwei Jahren, vielleicht bereits seit zwanzig. Bei manchen lief bislang alles plätschernd und leicht vor sich hin, andere haben schon die ein oder andere Krise miteinander durchlebt.

Wie ist Eure Geschichte?

Wie war das bei Euch?

Wie habt Ihr Euch kennen gelernt?

Wann wusstest Du, dass Du Dich in diesen anderen Menschen verliebt hast?

Was habt Ihr bisher alles miteinander erlebt?

Was war schön und was war anstrengend? Gab es schon Krisen zu meistern?

Wann und wie hat Dich Dein Partner / Deine Partnerin schon unterstützt?

Und wie konntest Du ihr/ihm schon mal helfen?

Wo ergänzt Ihr Euch super und wo gibt es immer wieder Reibungen?

Und, um auf das Hochzeitsthema zurück zu kommen: Wie war Euer großer Tag? Lief alles wie gewünscht? Wart Ihr Euch mit allem einig? Wer hat sich eingemischt und wie seid Ihr damit umgegangen? Wie schaut Ihr heute auf Euren „großen Tag“ zurück? Liebevoll oder missmutig? Welchen Rat würdet Ihr guten Freunden für die Hochzeitsplanung geben?

Und wie ging diese Geschichte weiter?

Nimm Dir doch mal einen Abend Zeit, setz Dich gemütlich hin und beantworte all diese Fragen ehrlich, in aller Ruhe und ausführlich. Du wirst sehen: Da tut sich was! Doch zu viel verrate ich noch nicht. Denn im nächsten Blog-Artikel geht die Reise weiter. Wie war Euer Weg seit der Hochzeit oder dem Kennenlernen und wo steht Ihr heute als Paar? Ich bin gespannt.

Bis dahin wünsche ich Dir und Euch eine gute Zeit, viel Spaß beim Schreiben und wundervolle Erinnerungen an die Zeit, in der der Kinderwunsch lediglich ein Wunsch und noch kein Problem war.

Alles Liebe und bis bald,

Eure Stefanie

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