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Mein Geschenk an Dich – „Der Brief an die Verwandtschaft“

„Der Brief an die Verwandtschaft“ – anwendbar zu Weihnachten und allen anderen Familienfeierlichkeiten

Ich schreibe diesen Text Anfang Dezember. Bald ist also wieder Weihnachten und so manchen „Kinderwunschlern“ graut es vor den „besinnlichen und harmonischen“ Treffen mit der Familie, den Weihnachtsessen, dem Geschenke-Auspacken unter dem festlich geschmückten Weihnachtsbaum, den freudigen Kinderaugen oder auch „Geschenkpapier-zerreiß-Geschenk-rauszerr-und-in-die-Ecke-pfeffer-Kinderhänden“ und den mehr oder weniger ausgesprochenen Erwartungen, die diese Tage mit sich bringen.

Ich hatte schon so viele Menschen – meist Frauen – weinend vor mir sitzen, hadernd mit ihrem Schicksal und tief getroffen von den Nachfragen, Kommentaren, klugen Ratschlägen und diversen „Erfahrungsberichten von der Nachbarin des Gärtners des Schwagers der Tante“. Besonders häufig sind diese emotionalen Tiefen rund um besondere Anlässe zu beobachten. Weihnachten, große Geburtstagsfeste, Hochzeiten, Taufen, etc. Egal wann, wo, wie, es läuft immer auf die gleiche Frage hinaus, die meinen Klientinnen entgegenschallt:

„Wann bekommst Du endlich ein Kind?“

In unseren Gesprächen arbeiten wir bei Bedarf auch daran, mit solchen Situationen umzugehen. Strategien und Antworten zu entwickeln, mit denen man sich wohl fühlt, die klare Grenzen aufzeigen und dem eigenen Schutz dienen. Und das, ohne wild um sich zu schlagen und Dinge zu sagen, die man eigentlich gar nicht sagen möchte.

Vielleicht kennst Du diese Frage auch schon, hast bisher aber noch keine passende Antwort gefunden? Man verfällt dann schnell in eine Art Schockstarre und die Worte bleiben einem im Halse stecken. Ja? So geht es Dir auch manchmal?

Dann schenke ich Dir heute „Den Brief an die Verwandtschaft“. Er soll Dir einen roten Faden liefern, zur eigenen Beruhigung beitragen, Dir Kraft geben und als Antwort-Möglichkeit dienen. Du kannst den Brief präventiv, während einer Diskussion oder auch im Anschluss daran übergeben. Ganz, wie es für Dich am besten ist. Es ist ein wertschätzender Brief, der keine Beziehungen zerstören soll, der nicht unter die Gürtellinie (zurück) schlägt und der Dich stolz erhobenen Hauptes bestehen lässt. Wer sich einen „fiesen Brief“ wünscht, der ist hier leider falsch.

Wenn Du also das nächste Mal die Befürchtung hast, Dich einer unangenehmen Situation mit zu neugierigen Fragen aussetzen zu müssen und schon jetzt Panik hast, wie Du das wuppen sollst, dann passe diesen Brief an Deine individuelle Situation an, drucke ihn aus, stecke ihn in Briefumschläge und verteile ihn (gerne auch quasi wortlos) an die potenziellen Fragesteller.

Damdadadaaaaa: darf ich vorstellen – der Brief! 

Liebe(r) … Mama, Papa, Oma, Opa, Tante, Onkel, Schwester, Bruder …., 

Weihnachten (oder Feier xy) steht vor der Türe und ich freue mich schon auf ein schönes Fest mit der Familie. Alle nehmen sich Zeit füreinander, es wird leckeres Essen geben und wir machen uns ein paar gemütliche Stunden. Ich hoffe, alle sind gesund und munter und können die Feier entspannt genießen. 

Ich habe das jedenfalls ganz fest vor, könnte aber vielleicht Deine Unterstützung gebrauchen. Willst Du wissen, welche und möchtest Du mir helfen? 

Weißt Du, wenn wir alle zusammen kommen, werde ich sehr nett von allen begrüßt, dann gefragt, wie es mir geht und meist direkt im Anschluss daran kommt die Frage „Na, bist Du Schwanger?“, „Wann ist es denn bei Euch endlich soweit?“, „Wieso hast Du eigentlich noch kein Kind?“, „Wollt Ihr keine Kinder?“, „Du arbeitest so viel, da hat ein Baby ja aktuell gar keinen Platz, gell!“ usw. 

All das habe ich schon zu hören bekommen und langsam weiß ich wirklich nicht mehr, was ich noch darauf antworten soll und es erschöpft mich. Ja, wir haben noch kein Kind und wir wünschen uns eines. Genauso wie viele andere Paare. Doch leider hat nicht jeder das Glück, schnell schwanger zu werden und 40 Wochen später mit einem kernigen Baby daheim zu sitzen.

Es heißt, ca. jedes vierte Paar ohne Kinder ist ungewollt kinderlos. Klar, manche davon werden im Laufe der Zeit schwanger. Einige in einem erholsamen Urlaub, andere, wenn sie gerade mal gar nicht ans Kinderkriegen gedacht haben oder wenn sie einfach ganz ganz oft Sex hatten. All das gibt es und die Paare verkünden ihre Schwangerschaft dann auch lauthals und erwecken den Anschein, als müsse man sich nur mal gut entspannen und richtig lieb haben, dann klappt das auch mit dem Baby. 

Doch was ist mit den anderen? Von denen hört man nichts. Wer verschlossene Eileiter, ganz schlechte Hormonwerte, eine schlechte Spermien-Qualität oder sonstige Probleme hat, der kann sich noch so anstrengen oder ausruhen…, das wird einfach nichts auf natürlichem Wege. Die müssen sich dann medizinische Hilfe holen. Das ist aufwändig, unglaublich teuer und sehr zermürbend. Und vor allem sehr anstrengend. Also vieles, aber nicht entspannt. 

Sie wünschen sich selber ein Kind und bekommen keines. Sie haben den eigenen Eltern gegenüber oft ein schlechtes Gewissen, weil sie kein Enkelkind liefern können. Sie freuen sich über Neffen und Nichten, die zur Welt kommen und sind gleichzeitig durch genau diese süßen Babys mit ihrer größten Trauer konfrontiert.

Wenn sie sich öffnen und von ihrer Geschichte erzählen, laufen sie Gefahr, von klugen Tipps und Ratschlägen im wahrsten Sinne des Wortes er-schlagen zu werden. Und das meist von Menschen, die sich mit dem Thema hinten und vorne nicht auskennen, aber voller Überzeugung ihr „Expertenwissen“ in die Welt schreien. Das ist so anstrengend und macht einen oft so traurig. Diesen Schmerz können wirklich nur Menschen nachvollziehen, die in der selben Situation sind. Alle anderen sollten es erst gar nicht versuchen und einfach (leise!) dankbar dafür sein, dass es bei ihnen so einfach war mit der Familienplanung. 

Weißt Du, ich möchte mich nicht dafür rechtfertigen müssen, dass ich kein Kind habe. Ich möchte selbst entscheiden, wem ich wie viel von meiner persönlichen Geschichte und von uns als Paar erzähle. Ich möchte mir von den Erwartungen anderer kein schlechtes Gewissen machen lassen. 

Ich kenne einige Paare, die gehen nicht mehr zu Familienfeiern, vermeiden den Kontakt zu Kindern aus der Verwandtschaft und gehen ihren Eltern aus dem Weg, um der Trauer und dem schlechten Gewissen kein Futter zu geben. Das möchte ich nicht. 

Deshalb wäre meine Bitte:
Wer wissen möchte,  was denn „bei uns los ist“ und warum wir keine Kinder haben, dem sei gesagt, dass wir Bescheid geben, sobald es etwas zu Verkünden gibt und sie uns bis dahin bitte mit Fragen und Ratschlägen verschonen sollen.
Wir würden uns sehr über ein Kind freuen, aber auch ohne Kind sind wir nach wie vor die Alten und man kann mit uns sprechen wie mit jedem anderen erwachsenen Menschen auch.
Ich möchte nicht, dass wilde Spekulationen über das „Wieso“ und „Warum“ inklusive eventueller Schuldzuweisungen aufkommen und die Runde machen. Das wäre nämlich für uns der Punkt, an dem wir uns – wie die vorhin erwähnten Paare – rausziehen müssten, um weiterhin gut für uns selbst sorgen zu können. 

Wenn Du mich bei all den Punkten unterstützen könntest und ggf. in der entsprechenden Situation auch andere in ihre Schranken weist, wüsste ich das wirklich sehr zu schätzen!

Ich verspreche Dir im Gegenzug:
Du wirst eine(r) der Ersten sein, die/der es erfährt, wenn sich bei uns Nachwuchs ankündigt. 

Bis dahin drück uns die Daumen, nimm es nicht persönlich, wenn wir vielleicht mal nicht so präsent sind, frag uns gerne, wie es uns geht, aber erwarte bitte keinen lückenlosen Bericht, wenn uns nicht danach ist. Das wäre eine riesige Hilfe. 

So, jetzt lasst uns feiern und uns den Bauch mit all den Köstlichkeiten vollschlagen. 

Ich drück Dich ganz fest und weiß: Du verstehst mich. 

Alles Liebe, 
Deine …………………..

Na, könnte dieser Brief was für Dich und Euch sein?

Glaube mir, wie ein großer Teil meiner Kundschaft, bin auch ich durch viele der angesprochenen Punkte gegangen. Mein Mann und ich waren immer recht offen mit unserem Kinderwunsch und der Tatsache, dass wir nicht so leicht schwanger werden und bleiben. Manches möchte man erzählen, anderes nicht. Das ist völlig in Ordnung. Hauptsache, das Paar zieht an einem Strang, spricht miteinander, tröstet sich gegenseitig und macht gemeinsam Pläne für das Jetzt und die Zukunft.

Hier nochmal eine kurze Zusammenfassung, wie Du – meiner Meinung nach – kommunizierst, dass es da Schwierigkeiten gibt und wie Du Dir den Umgang damit wünschst:

  1. Verbreite ein gutes Gefühl, gute Stimmung bei Deinem angesprochenen Gegenüber.
  2. Bitte um Unterstützung.
  3. Erläutere allgemeine Sachverhalte und Fakten nüchtern.
  4. Mache Dein Gegenüber zum Komplizen/zur Komplizin.
  5. Binde ihn/sie mit ins Thema ein und übergib Verantwortung.
  6. Formuliere Deine Wünsche an ihn/sie klar und einfach.
  7. Zeige Konsequenzen auf, wenn der Wunsch abgelehnt wird (zum eigenen Schutz!).
  8. Stelle eine Belohnung für das Erfüllen des Wunsches in Aussicht.
  9. Spreche Dein Vertrauen in ihn/sie aus.
  10. Wenn Du diesen Brief mehreren Personen gibst, halten sie sich gegenseitig in Schach! 🙂

Du wirst sehen, es wirkt Wunder und Du baust Dir ein fantastisches Netz an Unterstützern auf, die Dir künftig viel weniger Kraft rauben, sondern Dir im Gegenteil ihre Kraft zusätzlich zur Verfügung stellen werden. Ist das nicht schön?

Ich wünsche Dir und Euch von ganzem Herzen eine gute Weihnachtszeit, einen besinnlichen Advent, erholsame Feiertage und einen guten Rutsch ins neue Jahr! Auf dass sich all Deine Wünsche erfüllen mögen!

Alles Liebe,
Deine Stefanie

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