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Interview mit Julia Möhn, Working Women, Newsletter Dezember 2018

Interview für den Newsletter (Dez.2018) der Zeitschrift Emotion (Working Women)

Im Oktober 2018 traf ich auf der Messe „hercareer“ in München am Stand von Nina Straßner (www.juramama.de) Julia Möhn von der Zeitschrift Emotion. In kleiner Runde diskutierten wir das Thema „Sexismus am Arbeitsplatz“ und es freut mich sehr, dass Julia mich im Anschluss um ein Interview bat.

In den Gesprächen mit meinen Klientinnen geht es regelmäßig auch um die Arbeit. Wie ist die Kinderwunsch-Behandlung mit den Arbeitszeiten zu vereinbaren? Soll ich von meinem Kinderwunsch und der Behandlung erzählen oder verderbe ich mir dadurch Chancen? Ist das nun schon Sexismus? Das kann vermutlich nur die jeweils betroffene Frau für ihren individuellen Fall beantworten. Doch Fakt ist: der Kinderwunsch – und vor allem die Kinderwunsch-Behandlung – kollidiert regelmäßig mit der Karriereplanung der Frau, während ihre Männer nicht wirklich groß beeinträchtigt sind.

Es hat also mit dem Geschlecht (engl. „Sex“) zu tun, der Arbeitsplatz ist betroffen, die Karriere in manchen Fällen beeinträchtigt. Ich würde sagen, ich war auf der Messe zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort.

Wenn Du auch Erfahrungen mit dem Thema hast oder Fragen dazu, dann schreib mir gerne eine email an welcome@stefanie-stolle.de und ich werde Dir auf jeden Fall antworten.

So, hier nun mein Interview, viel Spaß beim Lesen!

Unerfüllter Kinderwunsch und Job: Das sind die Herausforderungen

Stefanie Stolle ist als Paarberaterin spezialisiert auf Paare mit unerfülltem Kinderwunsch. Sie bietet ihre Beratung online an: „So können Paare von unterschiedlichen Orten aus zusammen einen Termin wahrnehmen“. Ihre Klientinnen und Klienten findet sie weltweit – zuletzt hat sie eine deutsche Frau in Mexiko beraten. Ein wichtiges Thema bei den Beratungen: die Arbeit.

Was für eine Rolle spielt der Job in der Kinderwunschbehandlung?

Die Frage „Wann ist es denn bei euch soweit?“ kennt fast jede Frau, die etwa 35 ist, verheiratet und kinderlos. Stellt sich bei einem Paar heraus, dass das mit dem Kinderkriegen nicht so leicht geht, erhöht das den Druck noch mehr. Soll ich dann im Job wirklich sagen: Ja, ich wünsche mir ein Kind? Ohne zu wissen, ob ich aus der Behandlung auch wirklich mit einem herausgehe? Viele nehmen das dann so wahr, als wäre diese Ehrlichkeit umsonst gewesen. Und es gibt die Angst, was diese Botschaft für die eigene Karriere bedeutet.

Die Angst: Wenn ich es sage, werde ich vielleicht auf ein Abstellgleis geschoben?

Genau. Bekomme ich noch die teure Fortbildung bezahlt oder nicht? Werde ich noch auf das Großkundenprojekt gesetzt oder nicht? Und wie tritt man auf? Frauen sind ja sehr gut darin, sich für etwas zu entschuldigen, was noch gar nicht passiert ist. Die Angst, ausgestoßen zu werden, bringt viele dazu, gar nichts zu erzählen. Was aber auch schwierig ist. Du musst die ganze Zeit mit etwas leben, was keine aktive Lüge, aber eben auch nicht die Wahrheit ist. Das zieht einen wahnsinnigen Rattenschwanz nach sich.

Wie sieht der aus?

Es steht beispielsweise ein neuer Behandlungszyklus an, der Arzt sagt: In zwei Wochen sehen wir uns wieder, am Mittwoch. Aber vielleicht müssen Sie am Donnerstag nochmal zum Ultraschall. Was sagst du dann den Kollegen? Und was sagst du, wenn du deine Periode bekommen hast und deswegen traurig im Büro erscheinst? Von wem lässt du dir die Krankschreibung ausstellen? Wenn du ständig vom Gynäkologen krankgeschrieben wirst, „riechen“ die Vorgesetzten das natürlich auch. Dann müsstest du lügen und sagen, ich habe Zysten oder Myome.

Was für Lösungen finden deine Klienten? Wer spricht offen?

Damit tun sich die leichter, die eine gute Stellung haben, in der sie auch dringend benötigt werden. Bei anderen, die leichter ersetzt werden können oder in einem großen Team arbeiten, wo alle dasselbe machen, ist es schwieriger. Oft erarbeite ich mit meinen Klienten einen Weg, der irgendwo in der Mitte liegt. Fast jede hat ja eine gute Kollegin, mit der sie offen sprechen kann, etwa: Du, wenn es so wäre, könntest du dann für mich einspringen? Trifft man dann klare Absprachen und übernimmt vielleicht im Gegenzug Dinge für sie, hat man eine Verbündete und die Arbeit wird erledigt.

Verpflichtet zur Offenheit bin ich natürlich nicht…

Nein, die Entscheidung liegt zu 100 Prozent beim Paar. Tatsächlich ist es für Männer oft leichter, die sprechen auch ganz oft darüber. Da hat ja keiner was Negatives im Kopf.

Lässt sich das überhaupt miteinander vereinbaren? Ein anspruchsvoller Job und eine Kinderwunschbehandlung?

Die Frauen, die gerne zur Arbeit gehen, können das für sich als Ablenkung nutzen. Im Job bin ich einfach nur ich, nicht die fruchtbare Frau und potenzielle Mama. Schwierig wird es bei denen, die eigentlich nicht zufrieden sind. Die wahnsinnig gern wechseln würden. Und sich dann sagen: „Nee, wenn ich jetzt wechsle und dann gleich schwanger werde, das kann ich nicht machen.“ Da ist es manchmal schwer, die Frauen rauszukriegen. Ich sage dann: „Wir brauchen jetzt einen Plan, damit du da gut durchkommst, seelisch, mental und körperlich gesund.“

Was sind Bestandteile so eines Plans? Doch wahrscheinlich nicht, nicht zu kündigen, oder?

Man kann klein anfangen und Dinge machen, die einem guttun. Eine Frau fing wieder an zu Klettern, was sie aufgegeben hatte, weil das ja für die Behandlung schlecht sein könnte. Und dann sagt man: So, das nächste ist der Job.

Was können eigentlich Arbeitgeber tun? Statistisch gibt es ja in fast jedem Unternehmen Frauen, die ungewollt kinderlos sind.

Ich kann da von den Klienten sprechen, bei denen es gut läuft. Die durchweg das Gefühl haben, dass sie willkommen sind. Jetzt und als Eltern. Fährt die Firma dahingehend eine gute Politik, wie sie mit jungen Eltern und Schwangeren umgeht, kann man das auch auf Kinderwunschbehandlungen übertragen, bei denen man zwar ein paar Tages ausfällt, aber das ja nacharbeiten oder mobil erledigen kann. Und ist das alles kein Problem und ziehen alle an einem Strang, mit Kindern, ohne Kinder oder zwischendrin, dann läuft das eigentlich.

(Hier noch der Link zur Website, auf der Ihr das Interview hoffentlich noch lange finden könnt:)

http://working-women.news-mailer.com/i/GLWmSwoA5jtqwLctXt3ejVfbRpQzOr6Ezv8CrQ7-d2s

 

Bis zum nächsten Mal,

Eure Stefanie

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