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Ich bin so müde!

Bist Du auch gerade so müde? 

Wer mir eine (erste) Email an welcome@stefanie-stolle.de schreibt, der erzählt mir in der Regel nicht, was gerade alles super läuft im Leben. Da sich mein Angebot an diejenigen richtet, die mit einem unerfüllten Kinderwunsch zu kämpfen haben, ist es quasi logisch, Geschichten von erschöpften Mitmenschen zu lesen, die aktuell einen herben Schlag zu verdauen hatten oder nun endgültig zum Entschluss gekommen sind, mal über ihre Gedanken und Gefühle sprechen zu müssen.

Das ist ganz normal und dafür bin ich da.

Die letzten Wochen jedoch merke ich, wie die Anfragen – im Schnitt – düsterer werden. „Ich kann nicht mehr“, „Ich weiß gar nicht, ob ich das noch will“, „Ich bin so traurig“ oder „Ich denke, ich brauche dringend Hilfe“, steht da.

Wenn wir dann ein erstes Gespräch führen, sitzen mir durchaus oft sehr starke Frauen gegenüber, die erzählen, die Anfrage aus einer Krisensituation heraus an einem ganz schlechten Tag geschrieben zu haben. So schlimm sei es nicht immer, aber eben manchmal und dieses „manchmal“ würde sich mehren.

Ab und zu vereinbaren wir, dass zusätzlich zu – notfalls auch statt – den Gesprächen mit mir erst einmal der Hausarzt/die Hausärztin aufgesucht werden sollte. Von meiner Seite aus wäre es hier unverantwortlich, trotzdem los zu legen.

Die Müdigkeit nimmt zu.

Bei den anderen scheint momentan einfach unheimlich viel zusammen zu kommen, das die bisher erlernten „Stressbewältigungsstrategien“ außer Kraft setzt. Einfach so. Manchmal ohne dass wir es merken… Aber es macht soooo müde und dann ist da ja auch noch…

…das Bonus-Problem Corona

Alle meine Klientinnen sind U45 (Männer ausgenommen). Als im Frühjahr 2020 viele im Homeoffice saßen, der Fahrtweg zur Arbeit weg fiel, es plötzlich so ruhig um einen herum wurde und niemand mehr zum spontanen Ratsch zur Verfügung stand, hatte das Thema „unerfüllter Kinderwunsch“ die Chance, es sich richtig gemütlich zu machen und omnipräsent zu sein.

Die Kinder der Kolleg*innen sprangen während der Online-Meetings im Hintergrund herum, befreundete Eltern beschwerten sich über den Stress, daheim Kinder und Arbeit unter einen Hut zu bekommen. Und nicht selten hattet Ihr plötzlich einiges an Mehrarbeit, weil die Kollegin mit der süßen zweijährigen Tochter zu nichts mehr kam, ohne dass hinterher das Kind eine Platzwunde oder der Hund eine Tafel Zartbitterschokolade verspeist hatte.

Ihr wurdet aktiv…

Viele von Euch haben mir erzählt, wofür sie die Zeit jetzt gerade sinnvoll nutzen. Wohnungen wurden renoviert, (Online-) Sportkurse gebucht und die Kinderwunsch-Diagnostik oder -Behandlung intensiviert bis zum Anschlag. Keine Ausreden mehr für die Arbeit, warum man plötzlich mal weg muss. Keine Angst, dass die Kinderwunsch-Klinik genau dann anruft, wenn man gerade in einem wichtigen Meeting sitzt. Und. So. Weiter.

Ihr habt Euch mit Freundinnen getroffen, manchmal virtuell, manchmal real – wie es eben gerade möglich war. Und nicht selten musstet Ihr feststellen: Die nutzen die Zeit auch. Und zwar zum (oft erfolgreich) Schwanger werden!

und jetzt steht Ihr da.

Sehr oft wurde die letzten Monate mir gegenüber bitterlich geweint. Der angestaute Druck entlud sich mit Wucht und es endete mit dem tränenerstickten Satz „So will ich doch eigentlich gar nicht sein!“.

Die wenigsten müssen jetzt fragen: „Wie will sie gar nicht sein?“, weil wir das alle wissen, richtig? Wir wollen unseren Freundinnen, Schwestern, Schwägerinnen die verkündete Schwangerschaft oder das frische Baby gönnen. Wir wollen uns mit ihnen freuen und auch neue Neffen und Nichten herzlich als Tante willkommen heißen. Doch es ist oft so unsäglich schwer.

Die Kontaktbeschränkungen tun eigentlich gerade ganz gut.“

Das ist ein Satz, den ich mittlerweile sehr häufig höre und es schwingt tatsächlich viel Erleichterung und Zufriedenheit mit. Da man nicht in größeren Gruppen feiern kann, kommt man auch gar nicht so viel mit Schwangeren in Kontakt. Es bedarf keiner Rechtfertigung, irgendwo nicht hin gehen zu wollen und minimiert Streitereien in der Partnerschaft, wenn sonst nur eine(r) von beiden lieber daheim bliebe, statt sich der Menge (gefühlt) auszuliefern. Denn das geht ja nun mal einfach gerade nicht. Punkt.

Nur ein wenig einsam bin ich. Und ich habe viel zu viel Zeit zum Googeln“

Früher hätte der Satz mit „…zum Grübeln“ geendet, heute wird gegoogelt und ich wage zu behaupten, so schlimme Dinge, wie Ihr da zu Lesen bekommt, wären Euch bei Euren Grübeleien nicht im Traum eingefallen… Stimmt´s oder hab ich recht?

Es ist ganz klar, dass die aktuelle Situation inmitten einer Pandemie anstrengend und kräftezehrend ist. Eure Kraft ist sowieso schon auf viele Bereiche verteilt und der Kinderwunsch bekommt vermutlich einen Großteil davon ab. Und alles Schöne, mit dem wir uns immer ablenken konnten, das fällt jetzt auch noch weg.

Was also tun, um sich wirklich auf andere Gedanken zu bringen?

Ich bin ja ein riesen Fan davon, sich ab und zu mal zu überlegen, was man vielleicht aus seinem Leben schon lange mal streichen – im Sinne von nicht-mehr-machen – wollte, statt immer weiter daran zu arbeiten, es noch besser/höher/schneller/effektiver hin zu bekommen.

Irgendwann schreibe ich darüber einen eigenen Artikel oder das Thema kommt in einen der Kurse, die auf meiner to-to-Liste stehen und hoffentlich ab 2021 zu haben sind. Aber jetzt erst mal so viel: bei guter Ablenkung kommt man in einen entspannten Zustand, der Körper, Geist und Seele (hört sich jetzt esoterischer an, als es ist) in Gleichklang bringt. Man kommt in so eine Art Flow, wird ganz ruhig und weiß genau, was als nächstes zu tun ist.

Ein paar Beispiele:

Yoga machen. Holz hacken. Plätzchen backen. Selber Marmelade machen und Freunden als Überraschung vor die Türe stellen. Ganz viel Kochen und dann Einfrieren für später. Jeden Tag zur gleichen Uhrzeit die gleiche Runde Spazieren gehen. Sich 10-Minuten-Playlisten erstellen für alle Eventualitäten und wenn diese eintreten, hinsetzen, Augen zu machen und der Musik lauschen (oder wild tanzen, kommt auf die Eventualität an). Bücher lesen. Hörbuch hören. Selbst eine Geschichte schreiben. Hund, Katze, Hamster ausgiebig bürsten, bis das Fell glänzt. Oder den eigenen Körper von oben bis unten langsam und bedächtig mit wohltuender Bodylotion eincremen und sich damit selbst ein bisschen umarmen.

Fällt Dir sonst noch was Schönes ein?

Wichtig ist, dass es Dir gut tut. Es muss nicht viel kosten, es muss nichts Instagram-taugliches dabei rauskommen und man kann es mit einer weiteren Person oder auch ganz alleine machen.

Und wenn Du dafür die Wohnung nur halb so oft putzt wie sonst… Egal! Es sieht doch eh keiner und Du hast wertvolle Minuten und Stunden von der „muss-halt-sein-Liste“ auf die „das-war-schön-Liste“ übertragen.

Hauptsache, Du kommst raus aus dem Goog…. Grübeln! Und beendest die ausgesuchte Aktivität mit einem stolzen Lächeln und nicht in der Überzeugung, dass Du vermutlich sowieso nie Kinder bekommen wirst und definitiv mit 48 an einer ganz seltenen Krebserkrankung stirbst, die schon lange in Dir schlummert….

Und weißt Du was? Wenn es gar nicht klappt, dann schreib doch mal durch und wir schauen zusammen, was man da tun kann. Denn JEDER Mensch hat etwas, das ihm oder ihr ein Lächeln aufs Gesicht zaubert. Manchmal liegt es einfach nur gerade nicht griffbereit. Doch das kann man ändern.

Ich wünsche Dir noch einen schönen Tag und bis zum nächsten Mal!

Deine Stefanie

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Bild von Alexandr Ivanov auf Pixabay

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