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„Anleitung zum Unglücklichsein“ (Paul Watzlawick)

„Anleitung zum Unglücklichsein“ (Paul Watzlawick)

Der bekannte Psychotherapeut und einer meiner Lieblingsautoren Paul Watzlawick hat mal ein Buch geschrieben, das da heißt „Anleitung zum Unglücklichsein“. Er beschreibt darin, was wir Menschen nicht alles tun, um zu Leiden und was wir auf keinen Fall tun dürfen, um davon los zu kommen, geschweige denn glücklich zu sein. Paradoxe Interventionen in Reinkultur und ich liebe es!

Was hat das mit dem Thema Kinderwunsch zu tun?

Naja, wir alle haben von Zeit zu Zeit die Gabe, uns so richtig schön in Rage zu denken. Stimmt´s? Wir wissen schon heute, dass die Tante uns morgen auf der Taufe der Nichte keine Ruhe lässt mit ihrer Fragerei nach unseren Planungen bzgl. Baby. Garantiert erzählt sie uns wieder, dass sie unsere biologische Uhr schon ganz laut ticken hört und wir nicht immer nur Job, Reisen und unseren Spaß im Kopf haben, sondern endlich mal eine Familie gründen sollen. Sie selbst habe erst nach der Geburt ihres ersten Sohnes gewusst, wie es sich anfühlt, eine „echte Frau“ zu sein. Und überhaupt, jetzt sei es an uns, den Erhalt der Familie zu sichern und unsere Eltern zu stolzen Großeltern zu machen. Wie es sich eben gehört… Der Tag ist jetzt schon versaut, selbst wenn er noch gar nicht begonnen hat!

Unglücklichsein ist nicht so einfach!

Es gehört schon was dazu, diverse Prophezeiungen dann auch tatsächlich Realität werden zu lassen. Das ist nichts für Schwache, da gehören Profis ran. Übung macht also auch hier den Meister, bzw. die Meisterin. Also los, ran ans Werk! Eine selbsterfüllende Prophezeiung erschafft ihre eigene Wirklichkeit. Das ist der Weg, da wollen wir hin. Oder etwa nicht?

„Voraussetzung ist allerdings, dass man das Problem nicht langsam aus den Augen verliert. Die folgende Geschichte zeigt, wie man das vermeiden kann:

Eine alte Jungfer, die am Flußufer wohnt, beschwert sich bei der Polizei über die kleinen Jungen, die vor ihrem Haus nackt baden. Der Inspektor schickt einen seiner Leute hin, der den Bengeln aufträgt, nicht vor dem Haus sondern weiter flußaufwärts zu schwimmen, wo keine Häuser mehr sind. Am nächsten Tage ruft die Dame erneut an: die Jungen sind immer noch in Sichtweite. Der Polizist geht wieder hin und schickt sie noch weiter flußaufwärts. Tags drauf kommt die Entrüstete erneut zum Inspektor und beschwert sich: >Von meinem Dachbodenfenster aus kann ich sie mit dem Fernglas immer noch sehen!<“ (Anleitung zum Unglücklichsein, Paul Watzlawick, S.55/56)

Das Gleiche machen wir jetzt mit der Tante. Wir stellen uns mit unserer Nichte auf dem Arm so lange neben sie, bis sie mit dem Thema anfängt. Und dann können wir sicher sein: Ha, ich habe es doch gleich gewusst! So eine blöde Kuh…

Immer-mehr-desselben und Unglücklichsein

Auch folgende Geschichte kennen vermutlich viele Kinderwunschler:

„Unter einer Straßenlaterne steht ein Betrunkener und sucht und sucht. Ein Polizist kommt daher, fragt ihn, was er verloren habe und der Mann antwortet: >Meinen Schlüssel.< Nun suchen beide. Schließlich will der Polizist wissen, ob der Mann sicher ist, den Schlüssel gerade hier verloren zu haben und jener antwortet: >Nein, nicht hier, sondern dort hinten – aber dort ist es viel zu finster.<“ (Anleitung zum Unglücklichsein, Paul Watzlawick, S.27)

Wer meinen Newsletter abonniert hat und aufmerksam liest, der kennt die Interviews mit den drei Frauen und ihren ganz individuellen Erfahrungen mit IVF und ICSI. Alle drei sagen im Rückblick, sie hätten sich gewisse Behandlungen sparen können, aber sie wollten es halt erst mal mit XY versuchen, bevor es Richtung IVF/ICSI geht, auch wenn die Erfolgsaussichten schlecht waren. So haben sie vielleicht einige Zyklen verschenkt und schlechte Nachrichten verdauen müssen, obwohl es ja von vornherein eine Art Glücksspiel war. Hast Du auch schon Erfahrungen dieser Art gemacht?

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Wie „die verscheuchten Elefanten“ uns die Chance auf Glücklichsein rauben

Es war einmal ein Mann, „(…) der alle zehn Sekunden in die Hände klatscht. Nach dem Grunde für dieses merkwürdige Verhalten befragt, erklärt er: >Um die Elefanten zu verscheuchen.< >Elefanten? Aber es sind doch hier gar keine Elefanten?< Darauf er: >Na, also! Sehen Sie?<

Die Moral von der Geschichte ist, dass Abwehr oder Vermeidung einer gefürchteten Situation oder eines Problems einerseits die scheinbar vernünftigste Lösung darstellt, andererseits aber das Fortbestehen des Problems garantiert.“ (Anleitung zum Unglücklichsein, Paul Watzlawick, S.51/52)

Was bedeutet das nun für uns?

Wir kennen es alle: Wir freuen uns auf das Grillfest bei guten Freunden und sitzen auf dem Heimweg weinend im Auto, weil das Paar strahlend die Schwangerschaft verkündet hat. Ein paar Wochen später sind wir auf einem Junggesellinnenabschied eingeladen, den drei kugelrunde Bäuche vorzeitig verlassen, weil es sonst zu anstrengend für sie wird. Und wir müssen noch bleiben und Partystimmung verbreiten. Ein Kollege Deines Mannes lädt zum Dinner ein und seine Frau erzählt Dir, dass sie Kind No.3 erwarten. Du rechnest nach und stellst fest: Die werden drei Kinder bekommen in der Zeit, in der es bei Dir nicht mal mit einem geklappt hat. Das darf doch nicht wahr sein!

Nicht selten entscheidet man sich im Anschluss an solche Episoden – vor allem, wenn sie gehäuft auftreten – dafür, den Elefanten künftig von vornherein zu verscheuchen und kein Risiko mehr einzugehen. Keine Grillabende mehr, keine Partys mit den Mädels und kein Abendessen mit Menschen, deren Lebensumstände Du nicht bis ins kleinste Detail kennst und Du sicher sein kannst: Die haben keine bösen Überraschungen für mich parat.

Wir ziehen uns zurück, versuchen uns aus Einladungen herauszuwinden, vermeiden den Kontakt mit Schwangeren oder Frauen im gebärfähigen Alter allgemein und schauen nur noch Loriot. Da geht es um verschrobene alte Leute und nicht um süße Babys.

Einsamkeit ist toll fürs Unglücklichsein!

Rückzug kann phasenweise absolut richtig sein. Kümmert Euch um Euch selbst und um Euch als Paar. Tut Euch etwas Gutes und holt die Kraft und Stärke zurück in Euer Leben, falls diese in letzter Zeit zu sehr aufgebraucht wurden. Es ist nur gesund und vernünftig, so zu handeln.

Und wenn Ihr Euch erholt habt, dann schmiedet Pläne, wie Ihr künftig besser mit kritischen Situationen umgehen könnt und es schafft, Euch selbst die besten Freunde zu sein, die motivieren, trösten und bei Bedarf auch mal pushen. Denn das Leben „da draußen“ geht weiter und es wäre schade, wenn Ihr das viele Schöne und Gute verpasst, um das „Böse“ eventuell zu vermeiden. Meinst Du nicht auch?

Aber WIE soll das gehen?

Geht in Führung. Das heißt, organisiert selbst die Events, die Ihr gerne besuchen möchtet. Ladet Leute dazu ein, die lustig sind, die vielleicht selbst noch keine Kinder haben oder die respektvoll mit Eurem (bislang) unerfüllten Kinderwunsch umgehen. Ein wenig Mut erfordert es, Freunde mit Kindern einzuladen und sie zu bitten, die Kinder zu Hause zu lassen. Ihr werdet hier mit großer Wahrscheinlichkeit unterschiedliche Reaktionen bekommen. Gute wie schlechte, auf die Ihr natürlich gefasst sein müsst. Aber glaubt mir, die schlechten Reaktionen sagen viel über die Menschen aus und Ihr könntet Euch schon mal die Frage stellen, ob das tatsächlich die Freunde sind, mit denen Ihr auf immer und ewig befreundet bleiben wollt – egal, ob mit oder ohne Kinder.

Wenn Ihr z.B. zu Geburtstagsfeiern eingeladen werdet, fragt das Geburtstagskind vorab, ob „frohe Botschaften“ verkündet werden, wie viele Kinder in in welchem Alter auf dem Fest rumhüpfen und wie viele Schwangere kommen werden. Überlegt Euch, ob das für Euch passt und vereinbart mit den Gastgebern, dass Ihr im Notfall – nicht „einfach so“ nach Lust und Laune, das wäre unfair – auch spontan absagen würdet. Auch hier gilt: Die meisten werden das verstehen, der Rest sollte auf die „Freundschaftsqualität“ hin überprüft werden.

Familienfeiern sind Feiern wie alle anderen auch. Es wird von einem Familienmitglied zu einem bestimmten Anlass eine Einladung ausgesprochen. Die kann angenommen werden oder eben auch nicht. Es gibt kein Gesetz zur Verpflichtung, alle Familienfeste zu besuchen, nur weil man blutsverwandt ist. Und es gibt kein Gesetz zur Verpflichtung, sich vorführen zu lassen, nur weil „die/der XY halt so ist. Das darfst Du nicht so ernst nehmen. Hör einfach weg.“ Nein, nein. Natürlich darfst und musst Du Dich und Deine Gefühle ernst nehmen. Andere erledigen das nicht für Dich, so viel steht fest. DU entscheidest, was richtig für Dich ist. DU weißt, wo Deine Grenzen sind. Und DU entscheidest auch, ob Du die Einladung annimmst oder nicht.

Es hört nämlich nie auf!

Glaub mir, egal ob mit Kind oder ohne. Du wirst spätestens ab heute dringend lernen müssen, gut für Dich selbst zu sorgen, Deine Grenzen zu kennen und sie auch klipp und klar aufzeigen zu können. Ohne Kind musst Du Dich rechtfertigen und mit auch. Nur anders… Also probier Dich aus und gib Dein Bestes. Ich bin mir sicher, das ist gut genug!

Und jetzt beendet das Unglücklichsein und werdet glücklich!

Wie wir alle wissen – und schon hundert Mal gehört haben – muss man dafür ja nur in den Urlaub fahren und sich entspannen. Deshalb: Fliegt in die Sonne (bitte Vorsicht: Sonnenbrand!), habt ganz viel Sex (-nach-Plan) und bewegt Euch an der frischen Luft. Aber aufgepasst: Kein Beach-Volleyball (Hüpfen ist scheinbar nicht gut für den Beckenboden), kein Yoga (Drehbewegungen tun der Gebärmutter wohl nicht gut), kein Whirlpool (Bakterien!), kein Fisch (Quecksilber!) oder rotes Fleisch, kein Käse (Rohmilch!), keine Salami, kein Alkohol, kein Geruckel (Safari etc)…

… genießt die freie Zeit einfach! 😉 *

Alles Liebe,
Deine Stefanie

* Scherz kapiert, oder?!

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